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Im Juli 1962 ist es Wulf Scheffler, ein Münchner Sachse, der seine Mannen Gerd Uhner, Peter Siegert und Rainer Kauschke ruft, um gemeinsam die Ostwand der Cima del Bancon im Civettamassiv in den Dolomiten zu durchsteigen.

Die Ostwand wurde von Da Roit und R. Gabriel 1953 erschlossen und ist mit VI+ / A2 bewertet. Die Wandhöhe beträgt etwa 500 m, der Gipfel ist in 7 - 10 h zu erreichen.

Der Tagesbeginn verspricht, so wie die Meteorologen auch, eine stabile Wetterlage. Die 4 aus München sind den technischen Schwierigkeiten gewachsen und freuen sich auf einen genußvollen Tag.

Wulf und Gerd gehen als erste Seilschaft voran. Wenig später folgen Peter und Rainer.
Die Stände bestehen teilweise aus Rostgurken, die Zwischensicherungen aus geschlagenen Normalhaken. Trotzdem wird lt. Kletterführer angeraten, ein kleines Hakensortiment der Wand zu opfern.

In etwa 250 m Höhe ereignet sich das Unfaßbare :
Wulf ist am Stand und sichert Gerd zu sich. Rainer sitzt bequem 2 Seillängen unterhalb an einem Stand und läßt Peter die Seillänge vorsteigen.
So klettern Peter im Vorstieg und Gerd im Nachstieg gleichzeitig.
Die beiden kommen zügig voran.

Plötzlich ein Aufschrei von Gerd : " Achtung ". Ein 2 m großer Block hat sich mit ihm aus der Wand gelöst.
Nochmals ein Aufschrei : " Wuuuuuuulf ". Gerd rutscht und stürzt die Wand rechts an Peter vorbei und streift ihn noch. Sein Flugtempo wird größer, bis nach etwa 30 m der unweigerliche Ruck in die Sicherungskette kommt.
Mit lautem Gekrache stürzt nun auch der Sicherungsmann Wulf in die Luft und unweigerlich dem Unheil entgegen.
Peter sieht dem Geschehen fassungslos zu.
Etwa 3 m links von ihm pendelt plötzlich bewegungslos Wulf über dem Abgrund.

Peter kann dieser Situation keine zeitliche Zuordnung geben.
Er weiß nur, daß er einen Sicherungshaken in der Eile der Zeit installiert hat und Wulf mit einer Schlinge am Haken befestigte. Der rostige Sicherungsstandhaken, an dem sich Wulf befestigte, schaukelte noch ganz unferfroren im Seil. Peter konnte erkennen, daß er nur bis zur Hälfte im Fels verankert war !

Wulf`s linkes Knie ist zerschmettert und blutet stark. Schnell werden die Kameraden fixiert.
Ein kleiner Schlenker, und das sich verhangene Seil der stürzenden Seilschaft konnte von der rettenden Zacke befreit werden und ist wieder lose !
Nicht auszudenken, wenn diese eine Zacke am richtigen Ort nicht gewesen wäre. Beide Seilschaften wären in der Tiefe verschwunden, denn die Schlaufe hätte Peter und wahrscheinlich auch Rainer wie eine Abfangvorrichtung auf einem Flugzeugträger mit in den Abgrund gerissen.

Was bleibt sind ein zerschmettertes Knie aber ein erhaltenes Leben.



Sturz an der Cima del Bancon