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Am frühen Morgen des 3. Januar 1979 treffen sich Peter Siegert, Dietrich Hasse und Werner Dörfel am Strand des kleinen Fischernestes Puerto de las Nieves auf Gran Canaria.
Ihr Tun ist auf der Insel illegal und wird von der Polizei streng geahndet.

Nicht weit von dem Ort steht ein auffallender Felsen im Meer. Seine Gestalt ist ungewöhnlich, aus einem etwa 40 m hohen Sockel ragt eine 20 m hohe Säule empor. Das Gebilde scheint den Gesetzen der Schwerkraft zu widersprechen, unten ist es auffallend schmaler als oben. Es trägt den beziehungsreichen Namen " Dedo de Dios " oder " Gottesfinger " .

Mehrere Versuche von Peter Siegert und seinem Bruder Horst in den letzten Jahren scheiterten bereits am Zustieg.
Die hohen Brandungswellen sind ein Problem, weil nur ein schmaler Felspfad am Massiv, der den Launen des Ozeans voll ausgesetzt ist, etwa 300 m hin zum Finger führt.
Die von Nordosten anbrandende Atlantikdünung macht den Weg zu einem lebensbedrohenden Wagnis. Nur bei Niedrigwasser und anhaltender Windstille kann man den Finger gefahrlos erreichen.

Der letzte Versuch, den Finger mit seinem Bruder zu erreichen, endete am 8. Dezember 1976 mit einer Katastrophe.
Noch im Morgengrauen schlichen die beiden unbemerkt zum Felspfad. Bereits um diese Zeit war die Brandung ungewöhnlich stark.
Peter lief voran, sein Bruder folgte in einem Abstand von 20 m. Nach jeder Welle hetzten sie ein Stück weiter und preßten sich ans Massiv. Die Brandung wurde höher und gewaltiger.
Die nächste Welle reißt Peters Rucksack aus den Händen, ohne daß er jedoch den Halt verliert.
Ein letzter Sprint und er ist in sicherem Gelände hinter dem Finger.
Peter blickt zurück. Er sieht, wie sein Bruder an das Massiv gepreßt gebannt auf eine heranrasende Welle starrt. " Lauf Horst, lauf ". Die Worte bleiben ungehört. Ein lauter Knall, aufschießende Gischt und nach Sekunden nichts, überhaupt nicht mehr. Der Bruder ist verschwunden.

Peter denkt in diesen Augenblicken nicht an das Schlimmste. Sein Unterbewußtsein verdrängt in diesem Augenblick das was Gewißheit ist.

Am späten Nachmittag kreist ein Helikopter über dem Meer. Er dreht ab und fliegt auf den Finger zu. Peter läuft herum um zu zeigen, daß er unverletzt ist.

Die Brandung ist jetzt so extrem, daß an ein Zurückkommen nicht zu denken ist.
In einer klaren Vollmondnacht muß Peter nur mit einer Gummiejacke auf dem Leib biwakieren.

Im Morgengrauen bemerkt er ein Fischerboot, was sich vorsichtig dem Finger nähert. Die Brandung ist immer noch extrem gefährlich. Das Boot darf nicht zu nah an die Klippe kommen.
Vom Finger zieht sich eine lange Felszunge ins Meer. Diese muß er nutzen. Die Fischer haben einen Rettungsring ins Meer geworfen. Nach mehreren Versuchen sprintet Peter einer sich zurückziehenden Welle hinterher und hechtet ins Wasser. Ein paar kräftige Schwimmbewegungen und er kann sich am Rettungsring festklammern.

3 Jahre später wagt Peter mit seinen Freunden den nächsten Besteigungsversuch.
Diesmal lassen sie sich mit einem Fischerboot zum Finger transportieren.
Die Landung erfolgt problemlos. Die 3 Freunde klettern versteckt hinter der Kante. Die Besteigung darf nicht zu früh auffallen.

Nach einer steilen Wandstufe, die Peter technisch überwindet, erreicht er einen Absatz unterhalb der Gipfelnadel. Dieter versichert den Stand später mit einem massiven Ringhaken.
Unter ihnen brechen sich dröhnend die Wellen. Kommen da nicht schmerzliche Erinnerungen ?
Peter packt die letzte, zwar nicht allzulange, jedoch brüchige Seillänge zum Gipfel. Er muß mit dem Bohrer arbeiten. Der Fels ist hier steil und spröde.
Nach knapp 2 Stunden ist Peter auf dem Gipfel.
Erleichterung kommt auf, als Dieter etwas unterhalb einen soliden Ringhaken setzen kann. Nun wird noch ein Stahlkreuz verankert ( mit diesem weithin sichtbaren Zeichen kann wohl die Bevölkerung eher was anfangen als mit dem ungesetzlichen Tun ) und ein Gipfelbuch gelegt.

Das Fischerboot ist pünktlich und die 3 Freunde sind bald wohlbehalten am Ufer.
Das Vermächtnis von Horst ist erfüllt !

Der Ortspolizist läßt ausrichten, daß sie sich beim Bürgermeister zu melden hätten.
Ein schneller Aufbruch ist die einzige Rettung !

NACHTRAG
Im Frühjahr 2007 ist die Gipfelnadel in sich zusammengebrochen.
War das ein Fingerzeig Gottes ?



Gottesfinger auf Gran Canaria